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Die Immobilienwirtschaft braucht endlich einen praxistauglichen ESG-Standard

04.10.2021

 

„Das vielversprechende ECORE-Scoringmodell ist im Entwurf fertig und wird derzeit in Deutschland einem Praxistest mit über 500 Immobilien unterzogen. Danach erfolgt ein Feintuning.“
– Dr. Konrad Jerusalem
Es gibt mittlerweile eine Fülle an Ratings und Scoringmodellen, um die Nachhaltigkeit von Immobilienfonds oder Einzelobjekten zu messen. Doch hat sich keines dieser Modelle als alleiniger Standard etabliert, und viele Immobilienunternehmen setzen sicherheitshalber auf Doppel- oder Dreifachbewertungen durch verschiedene Anbieter. Dies ist administrativ und monetär eine unnötige Belastung. Zudem berücksichtigen gerade internationale Modelle nicht immer die deutschen oder europäischen Besonderheiten. Hilfreich wäre daher ein neuer, unabhängiger, breit akzeptierter ESG-Standard für die deutsche und europäische Immobilienwirtschaft. Genau mit diesem Ziel hat ein Großteil der namhaften deutschen Asset Manager sich in der Initiative ECORE (ESG Circle of Real Estate) zusammengefunden. Der Kreis besteht bereits aus über 100 Unternehmen, und immer mehr kommen hinzu. Koordinator ist Bell Management Consultants. Die Verbände ZIA und BVI begleiten den Kreis. Und ein erster ESG-Kriterienkatalog mit Erläuterungen zur Anwendung liegt tatsächlich bereits vor: Im Fokus steht der CO2-Verbrauch. Dabei stellen sich viele Fragen: Gilt Ökostrom beispielsweise immer als CO2-neutral oder nur unter bestimmten Voraussetzungen? Welche CO2-Belastung pro Kilowattstunde Graustrom wird angenommen? Je nach Quelle unterscheiden sich die berechneten CO2-Werte hier um bis zu rund 20 Prozent. Welche Quelle darf also zugrunde gelegt werden? Neben der Energieintensität werden im ECORE-Katalog auch die Wasser- und die Abfallintensität betrachtet. Das vielversprechende ECORE-Scoringmodell ist im Entwurf fertig und wird derzeit in Deutschland einem Praxistest mit über 500 Immobilien unterzogen. Danach erfolgt ein Feintuning. Eine Besonderheit bei ECORE: Um eine „Elfenbeinturm-Veranstaltung“ zu vermeiden, sitzen neben den Immobilieneigentümern auch sogenannte ESG Solution Partner mit am Tisch. Diese sind spezifische Dienstleister aus der Praxis, die sich in den unterschiedlichen ESG-Feldern mit konkreten Lösungen und Maßnahmen auf Liegenschaftsebene auskennen. Auch die Argentus ist ein solcher ESG Solution Partner. Die Mischung aus erfahrenen Nachhaltigkeitsmanagern auf Eigentümerseite einerseits und lösungsorientierten Dienstleistern andererseits soll dafür sorgen, dass die gewählten Kriterien in Umfang und Anwendbarkeit möglichst praxistauglich bleiben. Braucht man tatsächlich alle vorgeschlagenen Kriterien? Wo muss man zwischen den Asset-Klassen unterscheiden? Weniger, aber dafür die richtigen Kriterien ermöglichen einen pragmatischen, in der Breite der Branche akzeptierten Ansatz. Für die Nachhaltigkeitsbewertung mit dem neuen Standard gilt außerdem: Aus dem jeweiligen Ergebnis sollen sich die erforderlichen Maßnahmen und Dekarbonisierungspfade ableiten lassen, um die CO2-Bilanz kontinuierlich zu verbessern. Und die Zeit drängt, wenn wir unseren Kindern den Planeten Erde noch in einem erträglichen Zustand übergeben wollen.
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