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Der lange und beschwerliche Weg zum Branchenstandard

22.03.2022
Verschiedene Initiativen setzen Scoring-Modelle auf, um die Nachhaltigkeit von Immobilienbeständen zu messen. Die Initiative Ecore versammelt etwa 150 Unternehmen hinter sich. Die Nachhaltigkeitskriterien für Umwelt (E), Soziales (S) und Unternehmensführung (G) werden für die Immobilienbranche zunehmend verbindlicher. Was aber fehlt, sind einheitliche Standards, mit deren Hilfe die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen nachgewiesen und verglichen werden kann. Der ESG-Circle of Real Estate (Ecore) arbeitet so an dem Ziel, einen Branchenstandard zu etablieren - und ist weit fortgeschritten. Der von Bell Management Consultants (BMC) im Jahr 2020 gestarteten Initiative gehören mittlerweile rund 150 Mitglieder aus den Bereichen Investment- und Asset-Management, Projektentwicklung und Finanzierung sowie sechs Verbände an. Und es gehe kontinuierlich aufwärts, berichtet Pia Hoffmann von BMC. Genau die hohe Zahl der Mitglieder sei der wichtigste Vorteil der Brancheninitiative, betont Simon Szpyrka, Geschäftsführer vom Ecore-Partner Argentus. Deshalb habe sich gerade Ecore "besonders hervorgetan", um an gemeinsamen Standards zu arbeiten. Das Scoring der Initiative soll als Mess-, Steuerungs- und Koordinationsinstrument dienen und bezieht dabei alle ESG-Kriterien inklusive der Regularien, Gesetze und Verordnungen sowie Zertifizierungssysteme wie DGNB, Bream und Leed ein. Anhand eines Prozentwerts zwischen null und 100 lässt sich ablesen, wie gut eine Immobilie beziehungsweise ein Portfolio die Klimaziele und ESG-Kriterien erfüllt. Das Scoring "ist dynamisch und wird fortlaufend an die neuesten Anforderungen der EU und der EU-Taxonomie angepasst", berichtet Wenzel. Nach zwei Jahren der Konzeption und Pilotphase ist Ecore laut Hoffmann nun in die Nutzungsphase für Büro-, Hotel-, Logistik-, Handel- und Highstreet-Immobilien gestartet. Bis Mitte Mai folgten Wohn-, Sozial- und Pflegeimmobilien sowie Fachmarkt- und Einkaufszentren. Lag der Fokus ursprünglich auf Bestandsimmobilien, wurde bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, die Kriterien des Standards auch auf die Besonderheiten von Neubauten und Projektentwicklungen anzupassen. Darüber hinaus haben die Ecore-Mitglieder auf der Finanzierungsseite im vergangenen Jahr am Finance-Score gearbeitet. "Derzeit starten wir mit der Pilotphase, um die konzipierten Fragen, die größtenteils auf den Ecore-Kriterien basieren, zu testen", so Wenzel. Mit der Initiative sei auf europäischer beziehungsweise internationaler Ebene der Gresb-Score vergleichbar, berichtet Hoffmann. Beide berücksichtigen ganze Immobilienbestände. DGNB-, Breeam und Leed-Zertifikate seien dagegen auf einzelne Gebäude ausgerichtet. Wer heute sein Gebäude von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifizieren lässt - sei es ein Neubau, eine Bestandssanierung oder eine Betriebsoptimierung -, erhält auf Wunsch allerdings auch eine Konformitätsprüfung hinsichtlich der Taxonomie-Kriterien, erklärt Christine Lemaitre, geschäftsführende Vorständin der DGNB. Diese sogenannte ESG-Verifikation führt die Gesellschaft zusammen mit der Climate Positive European Alliance (CPEA) durch. Um vor allem bei bereits zertifizierten Bestandsgebäuden Mehraufwand zu vermeiden, sei es ein Ziel, die für DGNB-, Leedoder Breeam-Zertifikate gesammelten Daten über eine Schnittstelle auch für Ecore nutzen zu können, berichtet Hoffmann. "Das bietet sich vor allem bei den Verbrauchsdaten von Gebäuden an." Ein branchenübergreifend einheitliches Bewertungssystem stellt wiederum die Morningstar-Tochter Sustainalytics zur Verfügung: Das sogenannte "ESG-Risk-Rating" ermöglicht die Einschätzung sämtlicher ESG-Risiken eines Unternehmens anhand eines einheitlichen Bewertungssystems. "Der große Vorteil im Vergleich zu anderen Ansätzen ist, dass so nicht nur einzelne Immobilien oder Portfolios, sondern ein ganzes Unternehmen bewertet wird. Zudem ist das System nicht nur auf die Immobilienbranche beschränkt, was eine Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Branchen möglich macht", berichtet Gerald Klinck, Finanzvorstand von Cureus. Der Bestandshalter für Pflegeimmobilien wurde bereits von Sustainalytics geratet. ESG-Initiativen sind nach Ansicht von Argentus-Geschäftsführer Szpyrka vor allem für die Transaktionsfähigkeit von Objekten relevant. Aber allein die Tatsache, dass sie parallel genutzt werden, "stellt ein großes Problem dar und verdeutlicht, dass das Ziel einer einheitlichen Branchenlösung noch nicht erreicht ist". Quelle: Handelsblatt online vom 22.03.2022 Alle Rechte vorbehalten: (c) Handelsblatt GmbH
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